Ninja ZX-4RR at Bonneville: von Japan nach Amerika…via Frankreich
Der französische Schauspieler, Regisseur und langjährige Motorradrennfahrer Paul Lefèvre hatte einen Traum: Er wollte in die Reifenspuren des legendären Bonneville-Rekordfahrers Burt Munro treten. Mithilfe von Kawasaki konnte er diesen Traum verwirklichen.
Von Frankreich nach Kalifornien
Pauls Reise zur jährlich stattfindenden SpeedWeek auf den Bonneville Salt Flats begann in seiner französischen Heimat. Über David Dumain, den Chefredakteur des bekannten französischen Motorradmagazins Moto Revue, richtete er eine ungewöhnliche Anfrage an Kawasaki Motors France.
Im Kern lautete sie: „Kann Paul eine serienmäßige Ninja ZX-4RR ausleihen, damit zur SpeedWeek nach Utah fahren, eine offizielle Zeit erzielen und das Motorrad anschließend wieder zu seinem Ausgangspunkt in Kalifornien zurückbringen?“
Die Vorbereitungen liefen daraufhin wie ein gut geöltes Getriebe. Bereits wenige Tage später erhielt der sichtlich überraschte Lefèvre die Nachricht, dass American Kawasaki Motors (AKM) an seinem Standort in Foothill Ranch südlich von Los Angeles eine Maschine für ihn bereithielt.
Gemeinsam mit Dumain, der ihn als „Wingman“ begleitete und das Abenteuer dokumentierte, flog Lefèvre nach Los Angeles. Dort nahm er eine serienmäßige Ninja ZX-4RR in Empfang und bereitete sich auf die rund 1130 Kilometer lange Fahrt zu den berühmten Salzflächen in Utah vor.
Eine Reise zu legendären Schauplätzen
Natürlich gehörten auch einige Zwischenstopps zur Reise. Für Lefèvre waren sie Teil einer Hommage an den besonderen Geist der SpeedWeek. Bei der Veranstaltung stellen zahlreiche Privatpersonen ihren Einfallsreichtum, ihr technisches Können und ihren Mut auf einer vermessenen und zeitgestoppten Strecke unter Beweis. Gefahren wird auf der steinharten, vollkommen ebenen Oberfläche der von der Sonne ausgetrockneten Salzflächen.
Auf seiner Reise nach Utah parkte Lefèvre seine Kawasaki vor dem Bagdad Café, das durch den gleichnamigen Film berühmt wurde. Er fuhr wie die Helden aus „Easy Rider“ durch Flagstaff und übernachtete sogar in jenem Motel in Moab, in dem John Wayne während der Dreharbeiten zu seinen Westernfilmen gewohnt hatte.
Vorbereitungen für die 500er-Produktionsklasse
Da Lefèvre zum ersten Mal an der SpeedWeek teilnahm, musste er nach seiner Ankunft noch einige technische Anpassungen vornehmen. Dazu gehörten ein vorgeschriebener Lenkungsdämpfer, den ihm ein hilfsbereiter Mitstreiter lieh, sowie ein Not-Aus-Schalter mit Reißleine. Dieser schaltet den Motor ab, falls Fahrer und Maschine voneinander getrennt werden.
Nach weiteren Formalitäten und mit der großzügigen Unterstützung der Veranstalter war Lefèvre schließlich bereit, in der ausgewählten Produktionsklasse bis 500 cm³ anzutreten und eine offizielle Geschwindigkeit zu erzielen.
Im Vergleich zu den meisten anderen Motorrädern bei der SpeedWeek war seine Ninja deutlich erkennbar serienmäßig und vollständig straßenzugelassen. An gewöhnlichen Tagen wurde genau diese Maschine von AKM als Presse-Testmotorrad eingesetzt.
Lefèvre ging sein Vorhaben realistisch an. Mit einer vollkommen serienmäßigen Maschine mit 399 cm³ Hubraum einen Rekord in einer Klasse bis 500 cm³ aufzustellen, stand für ihn nicht im Vordergrund. Sein wichtigstes Ziel war es, Teil dieser legendären Veranstaltung zu sein und der Haltung von Burt Munro nachzueifern. Der geschwindigkeitsbegeisterte Neuseeländer schrieb auf den Bonneville Salt Flats Motorsportgeschichte.
188,169 km/h bei starkem Gegenwind
Schließlich war der Moment gekommen, sich an der Startlinie aufzustellen, die erste Lichtschranke zu durchfahren und eine offizielle Zeit zu setzen. Auf dem gemessenen Streckenabschnitt erreichte die kompakte Ninja trotz starken Gegenwinds beachtliche 116,923 mph, was 188,169 km/h entspricht. Auch bei seinem zweiten Lauf verbesserten sich die Bedingungen nicht, sodass Lefèvre eine vergleichbare Geschwindigkeit erzielte.
Eine Pilgerreise im Zeichen von Burt Munro
Die erreichte Geschwindigkeit war jedoch nicht der eigentliche Kern des Abenteuers. Für Lefèvre war die Reise eine Pilgerfahrt und die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. Es ging ihm nicht nur darum, verschiedene bedeutungsvolle Orte der Film- und Motorradkultur zu besuchen. Er wollte vor allem die besondere Atmosphäre und die Geschichte der legendären SpeedWeek selbst erleben.
Die kleine „Pocket Rocket“ ließ ihn während der gesamten Reise nicht im Stich und brachte Lefèvre zuverlässig über weitere 1.130 Kilometer zurück zu AKM. Dort konnte die Ninja wieder für ihren nächsten Medientest vorbereitet werden.
Auf seinem eigens für das Abenteuer lackierten Helm trug Lefèvre ein Zitat von Burt Munro. Zugleich versprach er, für einen weiteren Versuch zur SpeedWeek zurückzukehren:
„Auf einem solchen Motorrad erlebt man in fünf Minuten bei Vollgas mehr als manche Menschen in ihrem ganzen Leben.“